Tuschmalerei & Kalligraphie in der Galerie Mertens

In der chinesischen Kunst sind Malerei und Kalligraphie untrennbar miteinander verbunden und die Kalligraphie, oft «Kunst des Schönschreibens» genannt, steht noch über der Malerei. Sie waren Legitimierung der Macht, Zeichen der Bildung, weder zweckgebunden, noch kommerziell, sondern zeigten vielmehr die Kultiviertheit des Geistes, dienten der Meditation und waren Labsal der Seele.

Der chinesische Künstler bedient sich der «Vier Schätze», um seine Bilder zu vollenden:
Der chinesische Pinsel soll im Jahre 220 v.Chr. von Meng Tien und das Papier von Zai Lun (gestorben 114 n.Chr.) erfunden worden sein. Die Tusche ist ein Gemisch aus Ruß und Lein, dass in kleinen Blöcken getrocknet und auf dem Tuschreibstein mit Wasser angerieben wird. Um den Umgang mit diesen Schätzen zu erlernen, bedarf es einiger Übung und Experimente, die wir gemeinsam machen können.

Die mit dem Pinsel gezeichnete Linie ist das Hauptsujet des chinesischen Bildes. Sie ist, einmal gezeichnet, nicht mehr zu verändern (im Gegensatz zur Ölmalerei). Die Malerei (Xieyi-Art «geschriebener Sinn») entsteht flüssig und relativ schnell und ist das Abbild des Geistes einer Landschaft, eines Details oder einer Empfindung. Die Intuition fließt über den Pinsel direkt auf das Papier und wird förmlich aufgesogen und so zum Bild, ist Ausdruck höchster Konzentration. Diesen Prozess zu erleben und zu begreifen, ist ein mögliches Ziel der Beschäftigung mit der chinesischen Malerei in unseren Kursen.

Motive und Darstellung im Bild unterscheiden sich zwangsläufig vom europäischen Realismus - Perspektive, goldener Schnitt, Farbenlehre... all dies sind Dinge, die in der traditionellen monochromen Tuschmalerei keine Rolle spielten. Desgleichen der Mensch - er spielt kaum je eine zentrale Rolle.
Die Landschaft oder Naturstudie, so dominant sie ist, ist nur äußerst selten in der Natur entstanden. Der chinesische Maler geht durch die Landschaft, Details betrachtend, aber er malt zu Hause in Ruhe und Konzentration.

Der wahre Künstler ist nicht jener von Leidenschaft getriebene, um Ausdruck ringende, sich selbst im Schaffensdrang verzehrende Schöpfer extravaganter Gemälde, sondern ein Beobachter, Übender, für den eine Kopie, die den Geist der alten Meister atmet, mehr zählt, als die eigene Malerei. Er versucht über die Malerei mit dem ursprünglichen Geist der alten Meister verbunden zu bleiben.

Erst die Revolutionen zu Beginn unseres Jahrhunderts, die Konfrontation mit dem „Westen“ brachten Änderungen und Annäherungen: der Mensch im Mittelpunkt, Kunst als Kampfinstrument, Monumentalkunst, Ölmalerei, die russische Schule, sozialistischer Realismus, moderne und abstrakte Malerei. Alles ist heute zu finden. Und ebenso, wie sich die Chinesen mit den Europäern auseinandersetzen, haben wir die Möglichkeit, die Malerei Chinas zu entdecken und mittels jener Technik auch einen Teil von uns zu erkennen und auszudrücken. Dazu möchten ich und mein Kollege Hu Ying Sie in den Kursen herzlich einladen.

 

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