Einführung in die chinesische Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Die allgemeine Entwicklung und Organisation des Handwerks in China unter besonderer Berücksichtigung des Jingdezhen Tao Lu

- Gliederung -

  1. Einleitung
  2. Allgemeine Aussagen zur Entwicklung des Handwerkes in China
    1. Die mythischen Vorfahren, religiöse Einbettung und technische Begabung der chinesischen Handwerker
    2. Die zwei Gruppen von Handwerkern und ihre politisch-soziale Stellung
    3. Zusammenfassung
  3. Die Aussagen des Jingdezhen Tao Lu über die Organisation des Töpferhandwerkes
    1. Die Anlage der Manufakturen in Jingdezhen
    2. Die Handwerker und Angestellten der Manufakturen
    3. Zusammenfassung
  4. Schlußanekdote
  5. Literaturliste
 

I. Einleitung

Die Seminararbeit diente dazu, einen Einblick in die Sozialgeschichte des chinesischen Handwerkes zu erarbeiten, und die Entwicklung und Organisation des Töpferhandwerkes anhand des Jingdezhen Tao Lu zu studieren.

Den allgemeinen Teil der Arbeit betreffend, interessierten mich vornehmlich folgende Fragen: wie entstand das Handwerk, welchen sozialen Status hatten die Ausübenden anfangs und nach der "Verstaatlichung", wie organisierte man sich und die Arbeit. Diese Fragen sind in der von für diesen Abschnitt bearbeiteten Literatur meist nur angeschnitten und allgemein besprochen worden. Genauere Angaben findet man dann seit der Zeit der kaiserlichen oder z.T. privaten Manufakturen, wahrscheinlich, da erst ab dieser Zeit in chinesischen Quellen vermehrt die Rede vom Handwerk ist.

Der zweite Teil der Arbeit soll am konkreten Beispiel einer kaiserlichen Manufaktur die Organisation eines hochentwickelten Handwerkes beschreiben. Das Jingdezhen Tao Lu als "Chronik" der Kaiserlichen Manufakturen ist eine gute Quelle für derartige Studien, andererseits ist in den Aufzeichnungen über Töpferei- und Porzellanherstellung, wie dem Tao Lu, Tao Shuo und Tien Gong Kai Wu, wenig über die Handwerker selbst gesagt. Soziale Aspekte sind niemals der Mittelpunkt dieser Abhandlungen, da es sich um offizielle Aufzeichnungen des derzeitigen Produktions- und Technikstandes handelte und nicht um die Beschreibung des Alltags, des Arbeits- und Umfeldes der Handwerker. Es sollte hier der Versuch unternommen werden, den Prozeß der Veränderung und Differenzierung im Bereich eines speziellen Handwerkes zu verfolgen.

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II. Allgemeine Aussagen zur Entwicklung des Handwerks in China

Der Begriff Handwerk impliziert in unseren Breiten zu Recht automatisch Arbeitsteilung und kleinere Privatbetriebe spezialisierter Handwerker. Es ist in diesem Falle jedoch dienlich, anstelle von Handwerk(er) = Handarbeit(er) zu setzen. Dann sieht die Sache etwas anders aus, und es wird deutlicher, daß es sich um die seit Uranfängen von Menschen verrichtete "Arbeit", oder einfacher, um die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten handelt. Damit liegt eine sehr langer Prozeß vielfältiger Entwicklungsschritte vor uns.

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II.1. Die mythischen Vorfahren, religiöse Einbettung und technische Begabung der chinesischen Handwerker

In früheren, archaischen Zeiten, als der Überlebenskampf ein völlig anderer war, hingen Leben und Arbeit der Menschen so sehr vom Gelingen ab, von glücklichen Instinkten und guter Führung, und fügte sich das Bild des Alltags ein in ein großes Ganzes, in ein allesverbindendes System von Abhängigkeiten, die erst im Laufe der Zeit sehr langsam z.T. aufgelöst und verschoben wurden. Das Handwerk der Menschen war nicht einfach das Herstellen eines Gegenstandes, der beliebig wiederholt, unendlich vervielfacht, weiterverkauft oder weggeworfen werden konnte. Man mußte um Material bitten, die Ausführung unter die Kontrolle bzw. den Schutz höherer Mächte stellen und das Erzeugnis durch Verschenken entsakralisieren. Die bereiteten Dinge und Gegenstände hatten einen anderen Stellenwert und eine andere Bedeutung.

Die mythischen Kaiser, die Schöpfer der Welt und Beherrscher der Elemente bewachten, beschützten und lenkten alle Handlungen. "Die beiden großen Kulturheroen Chinas, , der erste König, und Huang Ti, der erste Kaiser sind Schmiede. Huang Ti ist auch Blitzgott und Yü konnte den Donner befehlen." "Shun war Bauer, Fischer und Töpfer …" Ursprünglich waren soziales, wirtschaftliches, religiöses Leben und Natur untrennbar verbunden und die Entstehung aller Gesellschaftsstrukturen von dieser Einheit beeinflußt. Eine unglaubliche Fülle von Mythen und Legenden umgibt z.B. die Entstehung der Handwerke und ihrer Produkte, die demnach in ihrem Beginn in das religiöse und soziale Weltbild eingebettet waren.

Mit immer weiteren Kenntnissen und Tätigkeitsbereichen, die ein spezielles Wissen verlangten, entwickelte sich eine differenziertere Form der Arbeitsteilung und damit eine neue Form gesellschaftlicher Organisation. Granet schreibt, daß die spezialisierten Handwerker, "die die magischen Kenntnisse bewahren und die Geheimnisse der ursprünglichen Kräfte beherrschen", sich aus der Masse der Bauern herauslösten und sich in sogenannten rivalisierenden Bruderschaften organisiereten. Durch derartige Spezialisierung und Konzentration entwickelten sich die Technologien und es ist erwähnenswert, daß die "Asiaten" als geborene Techniker gelten und sehr zeitig herausragende Erfindungen machten.

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II.2. Die zwei Gruppen von Handwerkern und ihre politisch soziale Stellung

Ursprünglich wurden viele Arbeiten – wie gesagt – überhaupt nicht als klassische Handwerke betrieben, sondern einzelne Produkte im Winter während der landwirtschaftlichen Ruhephase in Eigenproduktion lediglich zur Selbstversorgung oder zum Tausch hergestellt.

Hauptberufliche Handwerker sind nach Böttger seit dem zweiten Jahrtausend vor unserer Zeit in China nachweisbar. Auf ein sehr weit entwickeltes Handwerk verweisen auch die differenzierten Benennungen der einzelnen Produkte. Von einer ersten Vollendung z.B. der Töpferkunst zur Zeit der Chou Dynastie (1122-256) spricht Zimmermann. Er beschreibt bereits Arbeitsteilung innerhalb der Handwerkszweiges. Zu der Zeit war das Töpferhandwerk erblich und offensichtlich bereits als kleinerer Familienbetrieb organisiert. Er spricht von der Existenz eines Oberaufsehers der Töpferkunst und von ersten Gilden. Diese kleinen Betriebe arbeiteten während der Feudalzeit an den Höfen des Herrschers und der Aristokratie. "Nach Abschaffung des Feudaladels gab es zwei Gruppen von Handwerkern: eine größere, die nebenbei über etwas Grundbesitz verfügte und sich zur Ableistung ihrer Dienstpflicht in bestimmten Abständen in einer der Hauptstädte melden und in staatlichen Werkstätten arbeiten mußte, sowie eine kleinere, die ständig dort beschäftigt war." Erstere hieß lunban, letztere zhuzuo und unterstand dem Ministerium für öffentliche Arbeiten (gongbu).

Im allgemeinen wird behauptet, daß Handwerker kein besonderes Ansehen genossen und kaum zu großem Reichtum gelangten. "Da es im alten China immer an einer breiten Schicht wohlhabender Konsumenten fehlte, war auch nur eine geringe Anzahl von Handwerkern vonnöten und selbst diese produzierten nur in geringem Umfang für den Markt, sondern führten hauptsächlich auftragsgebundene Arbeiten durch, wobei der Auftraggeber meist der Staat war. Die staatlichen Manufakturen und Palastwerkstätten beschäftigten viele Arbeitskräfte. Material und Halbfabrikate wurden z.T. selbst gefördert oder aufgekauft und weiterverarbeitet. Die Stammbelegschaft bestand aus Leitungspersonal, Dienerschaft und Spezialisten, die jederzeit bei Bedarf zwangsumgesiedelt werden konnten.Die große Anzahl dienstverpflichteter Handwerker war in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht und hatte die Kosten für An- und Abreise und Verpflegung selbst zu tragen.

Besonders ab der Song Zeit setzten Veränderungen ein: die Kaufleute gewannen an Bedeutung und durch die beginnende Monopolbildung wurden viele keine Betriebe durch reiche Kaufleute, seltener durch Beamte, "aufgekauft" und der Nachfrage des aufblühenden Marktes und damit auch der Mode unterstellt.

Diese ungünstigen Arbeitsbedingungen, unter denen die Handwerker litten (eine Bezahlung unter den Marktpreisen, der Zwang zu häufigen weiten Reisen, Einschränkung ihrer Freiheit usw.) und andererseits der wirtschaftliche Aufschwung in den Provinzen am unteren Yangzi und in den Küstenprovinzen, wo eine große Nachfrage herrschte und mit Silber gezahlt wurde, wirkten wohl zusammen und lösten eine ständige Verringerung der Zahl der Familien aus, die vom Ministerium für öffentliche Arbeiten abhingen. Zudem bewirkten die Fortschritte der Geldwirtschaft den Staat dazu, die Dienstleistungen allmählich durch Abgaben zu ersetzen: schon vom Jahr 1485 an konnten sich die in den Provinzen lebenden Handwerker durch Silberzahlungen von ihren Dienstleistungen in der Hauptstadt freikaufen. Diese Praxis verbreitete sich so allgemein, daß sie im Jahr 1562 plötzlich bestätigt wurde. In diesem Jahr wurden alle Dienstleistungen der zeitweise dienstverpflichteten Handwerker durch Silberabgaben ersetzt: damit war diese besondere Handwerkerklasse völlig verschwunden. Aber auch die Zahl der ständig dienstverpflichteten Handwerker ging im Laufe der Dynastie ununterbrochen zurück. Zur Zeit Yongles (1403-1424) zählte man in den kaiserlichen Werkstätten rund 27000 Handwerksmeister, von denen jedem einzelnen durchschnittlich drei bis fünf Handwerker unterstanden. Im Jahre 1615 waren es nur mehr 15139. Am Vorabend der Eroberung durch die Mandschus waren die Register der Handwerkerfamilien praktisch verschwunden und im Jahr 1645 wurden sie von der neuen Qing Regierung endgültig abgeschafft.

Was die politische Organisation betrifft, ist es wichtig zu erwähnen, daß sich die einzelnen Gruppen spätestens ab der Song Zeit verstärkt in größeren Berufsvereinigungen zusammenschlossen, um sich gegenseitig zu helfen und die Bedeutungslosigkeit des Individuums durch das Prestige, das eine solche Gruppe erlangen konnte, aufzuheben. So entstanden in allen Schichten des Volkes Vereinigungen zwischen Personen (hui), Kaufmanns- und Handwerkergilden und -zünfte (hang) Diese Vereinigungen "sorgten durch Einschränkung der wirtschaftlichen Konkurrenz, sowie auf jedes Mitglied ausgeübten Druck, Produktion und Absatz den allgemeinen Interessen unterzuordnen, für die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung. Sie regulierten Arbeitszeit, Löhne und Preise und schlichteten Differenzen zwischen Beschäftigten und Unternehmern... In Not geratene Mitglieder fanden bei ihnen Unterstützung und sie gewährten ihnen Rechtsschutz, wenn immer sich dieser als nötig erwies. Staatliche Gerichte griffen weder in die inneren Angelegenheiten der Berufsverbände ein, noch wurden sie von ihnen angerufen. Auf lokaler Ebene schufen diese Organisationen Einrichtungen von öffentlichem Interesse wie Altersheime, Waisen- und Krankenhäuser, Sparkassen usw. Trotz ihres großen Einflusses auf ihre Mitglieder verhielten sie sich jedoch dem politischen Geschehen gegenüber passiv und begnügten sich ausschließlich mit der Regelung verbandsspezifischer Belange."

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II.3. Zusammenfassung

Man kann zusammenfassend sagen, daß der Ursprung des Handwerkes in der Arbeitsteilung lag, viele handwerkliche Arbeiten jedoch anfänglich zum Tausch und zur Eigennutzung hergestellt wurden. Mit dem Beginn des Spezialistentums durch die Arbeitsteilung und Aufspaltung der Gesellschaft, organisierte man das Handwerk in Form von haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit bzw. Stammbelegschaft und Saisonkräften, die aus Handwerksfamilien rekrutiert wurden und dem Ministerium für öffentliche Arbeiten unterstanden. Diese waren in Berufsverbänden organisiert. "Unter den Folgen der wirtschaftlichen Veränderungen und sozialen Entwicklungen kam es im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zu einer allmählichen Befreiung einer Handwerkerschaft, die vorher mehr oder weniger unter der Abhängigkeit der Verwaltung gestanden hatte."

An diesem Punkt der Entwicklung stellt sich die komplizierte Frage nach dem Beginn der Industrialisierung, Materialisierung, die in diesem Rahmen unbeantwortet bleibt.

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III. Die Aussagen des Jingdezhen Tao Lu über die Organisation des Töpferhandwerkes

Das Jingdezhen Tao Lu ist eine "Chronik" der Kaiserlichen Manufakturenin Jingdezhen, Provinz Jiangxi. Das Buch liefert, neben dem Tao Shuo aus dem Jahre 1774, das wichtigste Quellenmaterial zur Erforschung der chinesischen Keramik- und Porzellanherstellung. Beide Bücher sind ins Englische übertragen und stellen eine Sammlung vieler kleiner Texte und Kommentare zum Thema dar. Beide Bücher sollen nicht als wissenschaftliche Aufzeichnungen angesehen werden und enthalten, aus dem Selbstverständnis ihrer Zeit heraus geschrieben, kaum Material zur Sozialgeschichte des Handwerkes.

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III.1.  Die Anlage der Manufakturen in Jingdezhen

"Die bei weitem umfangreichste Porzellanproduktion scheint jedoch damals in Tsch'ang-nan-tschen in der Provinz Kiangsi stattgefunden zu haben, wo ja schon, dank nicht zu ferner, vortrefflicher Kaolinlager seit dem 1. Jahrhundert vor Chr. in der Nähe ein keramischer Betrieb nachweisbar gewesen war, dann am Beginn der T'angzeit allem Anscheine nach bedeutende Verbesserungen stattgefunden haben … Damals aber war der Betrieb hier schon so bedeutend, daß es nicht weniger als 300 Fabriken gab, deren Erzeugnisse durch ganz China verkauft wurden.... Hier wurde auch für die Kaiser weitergearbeitet. Wenigstens ist für die Zeit des Kaisers Tschen-Tsung überliefert, daß es hier damals in der Periode King-te (1004-1007) eine Fabrik gab, die für diesen tätig war und von einem eigens dazu ernannten kaiserlichen Beamten beaufsichtigt wurde und dieser Kaiser befahl dann auch, daß alle hier hergestellten Stücke die Worte King-te nien tschih, das heißt in der Periode King-te hergestellt, tragen sollten … Nach dieser Marke aber wurden dann die hier hergestellten Porzellane bald allgemein genannt und darüber geriet der damalige Name des Ortes bald so in Vergessenheit, daß an seine Stelle nun allgemein die Bezeichnung King-te tshen trat, unter dem es dann in der Folgezeit so berühmt geworden ist."

Die Gründe für die Entwicklung eines Töpferzentrums in dieser Gegend liegen auf der Hand: es gab hier erstklassigen Ton zum Arbeiten, zum Herstellen der schützenden Brennkapseln und Ziegelton für den Ofenbau. In der Umgebung gab es genug Kiefernholz zum Brennen, außerdem lag der Ort am Chang-Fluß günstig für den Abtransport der waren in die Hauptstadt und zur Küste.

Über das genaue Gründungsdatum der Kaiserlichen Fabrik kann man nur spekulieren, da in den Quellen mehrere Daten (1369, 1402 laut Tao Lu) angegeben werden. Palastware wurde hier bereits zur Song Zeit hergestellt, und auch das Shu fu yao der Mongolenkaiser kam aus Jingdezhen. Unter der Ming Regierung wurden dann wohl die Manufakturen eingerichtet, die von kaiserlichen Beamten verwaltet wurden. In den Fabriken wird bis heute mit mehr oder weniger großem Ausstoß gearbeitet und im Tao Lu findet man lange Listen der Produkte die unter den einzelnen Herrschern hergestellt wurden, die hier jedoch nicht besprochen werden sollen.

Im Zusammenhang mit Punkt zwei ist es erwähnenswert, daß die Anlage der Fabrik, wie sie im Tao Lu beschrieben wird, stark von religiösen Aspekten beeinflußt war, die im Laufe der Zeit immer unbedeutender wurden. Der Text sagt folgendesüber die Anlage der Fabrik am "Jewel Hill":

"Insidethe factory were three temples - the Secret Shrine of the Protector of Potters: the Chen-wu-tien, the Kuan Ti Temple, the Temple of the God of war. Outside there was one called the Shih Chu temple (Temple of the Head Teacher). To the west of the factory were the public offices and to the east the official rest-house for the Intendant of the Jao and southern Kiukiang Circuit - to-day's Residence of the Jao-chou sub-Prefect.…
Note by Kuei: the District Annals say 'The Great Hall of the Factory in old days displayed the legend Ping Ch`eng (Grasping Perfection). Outside the ceremonial gates was the factory square with four gates on right and left. The eastern gate was called Hsi Ch`un (Bright Spring), later altered to Ying Hsi (Meeting the dawn). The south gate was called Fu An (Abundant Peace). The west gate was called Ch`eng Ch`uan (Pure Streams), an the north gate was called Tai Chao (Awaiting Orders). Outside the Fu An gate was the Ping Chieh Chih Tu Fang (the control ward grasping purity). On the Jewel Hill was the Pavilion that faces the sky, the Frost-bound Hall, and the Summer House surrounded with green (Huan Ts`ui T`ing). Today this has all been altered. Only the regulations of the factory office remain as of old, and the Huan Ts`ui T`ing survives. "

Die symmetrische Anordnung nach Himmelsrichtungen und die heiligen Schreine und Tempel mit ihren Namen verweisen auf Anbetung der Götter und Natur um gutes Gelingen und gute Führung.

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III.2.  Die Handwerker und Angestellten der Manufakturen

Im Tao Lu wurden, wahrscheinlich anhand verschiedener Berichte, zum einen mehrere Listen mit einzelnen Arbeitsgängen und zum anderen Listen mit speziellen Arbeitern und Angestellten zusammengetragen.

Für die Fabrikarbeit ist anhand der Berichte belegbar, daß die Arbeitskräfte anfangs aus 14 Dörfern des Fou-liang Distriktes und 45 Dörfern des Po-yang Distriktes zwangsweise eingezogen wurden. Später wurde beschlossen, nur noch die Leute der 14 Dörfer des Fou-liang Distriktes zum Frondienst (feudal service) einzuziehen und unter Hsü T`ing-pi (Secretary to the Treasure) und Li T`ing-hsi (assistant Secretary) wurde 1680 die "orthodoxe" Praxis des Zwangseinzugs von Arbeitskräften ganz abgeschafft. Dennoch ist im Text immer wieder einmal die Rede von zeitweilig beschäftigten Arbeitskräften und Spezialisten.

Anhand der Darstellung der Töpferpraxis, die aus dem T`ao Yeh T`u Shuo von T`ang Ch`üan übernommen wurde, kann man einiges über die Arbeitsaufteilung erfahren. So ist z.B. in Punkt (1) gesagt, daß die Einheimischen an den Tonlagern Werkstätten errichteten, den Ton abbauten und zu Blöcken verarbeiteten, die sie sicherlich an die Fabrik verkauften. Später sind diese Familienbetriebe sogar namentlich erwähnt.

Bei der Porzellanherstellung entspricht die Zusammensetzung des Tones in etwa der der Glasur, dennoch sind im Abschnitt (2) dieser Darstellung verschiedene Personen als Ton- oder Glasuraufbereiter angeführt. Auch ist gesagt, daß die sehr aufwendig herzustellenden Aschen, die der Glasurflüssigkeit zugesetzt wurden, aus einer anderen Gegend kamen und von der Fabrik gekauft wurden, ebenso wie die Metalloxide, die für die Glasur und die Malerei benötigt wurden.

Das Herstellen der Brennkapseln wird in Abschnitt (3) als Arbeit von "residents" der Fabrik beschrieben, wohingegen das Her- bzw. Einstellen von Formen für Gefäße, die aufgrund der Trocken- und Brennschwindung des Tones mehrmals eingestellt werden müssen, bis das nachgeformte Stück dem bestellten Original genau entspricht, eine Arbeit von Spezialisten war. Diese Formeneinsteller lebten in einem separaten Gebäude und waren rar, wie scheinbar viele andere Spezialisten auch.

Über die Arbeiter, die die Metalle für den Glasurversatz zermahlten, eine sehr anstrengende und gesundheitsschädigende Arbeit, ist gesagt:

"Most of those who make this their livehood are sick and blind, both old folks and young children."

Besonders ausgeprägt war die Arbeitsteilung in allen Bereichen, die mit dem Dekorieren und Brennen zusammenhingen. Über die Glasur- und Dekorarbeiter ist zwar weit weniger gesagt als über die Glasuren an sich, aber einige Listen und Hinweise sind in den verschiedenen Büchern des Tao Lu aufgeführt. Zum Beispiel:

"The work of Decoration:

  1. Pounding the colouring matter
  2. Drawing the examples
  3. Depicting objects
  4. Matching colours
  5. Filling in the decorations
  6. Firing the stoves"

Dazu ist am Anfang aufgeführt, daß streng unterschieden wurde zwischen Handwerkern bzw. Künstlern, die Entwerfen und denen die sich in die Arbeit des Dekoraufbringens teilen. Im Falle der freien Malerei sind sogar Namen erwähnt, was sonst außer beim Überwachungspersonal, so gut wie nie vorkommt. Im Buch eins (9) steht diese Handwerker betreffend folgendes:

"The draughtsmen draw but do not paint. The painters paint but do not draw. In this way the hand is concentrated and the mind is not distracted. The other forms of decoration - embossing, cutting with the point, engraving, carving - are all much of the same class of work, yet each has its specialists. The experts in glaze red (You-li-hung) jewel work (pao-shao) are certainly in a different category, yet are classed with the draughtsmen ...

As for the borderlines and the blue/green hoopson pieces they emerge under the hand of the turners: while the carved and written inscriptions on the base fall to the lott of label writers. In painting pictures of living things -flowers, birds, insects, fish- likeness to the object is the chief thing. Hsüan Te, Ch`eng Hua, Chia Ching, Wan Li in copying the ancients achieved genius by wide observation."

Daran sieht man, daß auch die Spezialisten bzw. Meister und Künstler verschiedenen Kategorien zugeordnet wurden, was sich vermutlich in der Qualität der Unterkunft, Bezahlung und im Ansehen bemerkbar machte.

Was die Arbeit mit den Glasuren betrifft ,wird die Aufteilung sehr kompliziert und etwas unübersichtlich. Es gab eine generelle Einteilung in drei Spezialbereiche. In Buch zwei sind dann 37 in der Fabrik produzierte Waren aufgezählt, die z.T. kurze Bemerkungen zu ihren Herstellern enthalten. Buch drei (5):

"Creations have their specialists. Whenever the work – be it fine or coarse – is subdivided between several groups the groups are termed specialists (chia). There are specialists in:

  • “blue and white”,
  • light sketching,
  • the full range of colours. "

Buch drei (4) enthält eine Aufzählung der von verschiedenen Spezialisten hergestellten Glasurtypen:

"workmen have their creations –

  • Kuan ku (official old) ... "

"Official old"-Spezialisten scheinen am häufigsten vertreten gewesen zu sein, da sie die Herstellung vieler anderer Glasuren, aus Mangel an Meistern, die in die Glasurgeheimnisse eingeweiht waren, mit übernehmen mußten. (Dazu gibt es Bemerkungen in Buch zwei, die hier zur besseren Übersicht in die Aufzählung der Glasurtypen eingefügt wurden.):

"(31) CHI-HUNG (sky clearing red) PIECES - There are not many potters able to make sky-clearing-red. Tere are no specialists but the best of the makers of `official old´ reproduce these pieces.

(32) CHI-CH`ING (sky clearing blue-green) PIECES - This sort is also made by the makers of 'official old' in addition to their regular work. There are no seperate specialists.

(33) LUNG-CH`ÜAN PIECES - Originally there where Lung-Ch`üan specialists in the town, but to-day the pieces are only reproduced by some of the makers of 'official old' …

(35) JU-PIECES - At the town those who make the large 'official old' pieces mostly reproduce the glaze colour of Ju ware …

  • 2. Shang-ku (superior old)
  • 3. Chung-ku (middling old)
  • 4. Yu-ku (glazed old)
  • 5. Hsiao-ku (small old)
  • 6. Ch`ang-ku (ordinary old)"

(22) CH`ANG-KU VESSELS - ...The workers who make the `glazed old´ and those who make the `ordinary old´ are interchangeable ...

  • 7. Ts`u (rough)
  • 8. Mao (imitation)
  • 9. Tzu-fa (son and pattern)
  • 10. T`o T`ai (bodiless)
  • 11. Large ornamental (cho)
  • 12. Foreign
  • 13. Engraved and Inlaid
  • 14. Ting-tan (pieces to order)
  • 15. Reproductions of the old
  • 16. Filling white
  • 17. Crackled "

(33)The Crackle ware worker also reproduce Lung-Ch`üan glaze ...

(36) KUANWARE (official kiln) PIECES - Originally there were specialists reproducing this, but to-day the Crackle ware worker make this pieces in addition.

(37) KO PIECES – There are no specialists in the Town but the Crackle ware specialists make this pieces in addition and consequently they get the extra title of Ko ware workers …"

Aus diesen Auflistungen geht hervor, daß die Glasurkenner im Laufe der Zeit seltener wurden, daß jedoch auf Grund guter Arbeitsmöglichkeiten andere Spezialisten (Meister) verlorene Rezepte wieder herausfinden konnten und dadurch z.B. zusätzliche Titel erhielten. Insgesamt ist das Feld der Glasuren vermutlich das differenzierteste gewesen, obwohl auch die Arbeitsteilung im gesamten Ofen- bzw. Brennbereich enorm fortgeschritten war. Dazu gibt es Notizen im Buch eins (11)-(14) und im Buch drei (1), (2) und (3):

"(xii) filling and gathering - there is a task of filling the kilns. For kiln filling one hires the men specially. They are not on the regular wage sheet. When the kiln is opened there is also the task of unloading...
(xiii) kiln stoking - colloquialy called `pa-chuang´. They are divided into three sorts of `hands´ - one tends the sloW fire, one the fast fire, and one the circulating fire.
(xiv) opening the kilns - there are outsiders speializing in this work who are summonded when a kiln is to be opened. The dept collectors also do it in a side-line."

Der Abtransport der in der Fabrik gefertigten Waren erfolgte zweimal jährlich: im Herbst und im Winter, dazu bezahlte man Boote und deren Personal. Die Stücke wurden in Holzkisten, die von fabrikinternen Tischlern gefertigt wurden, verpackt. Aus dem im Tao Lu erwähnten TAO CH`ENG CHI SHIH von T`ang Ying (Record of Completed pots) geht hervor,daß sich die Waren erster und zweiter Wahl, wie in fast allen Werkstätten in denen nicht maschinell produziert wird, die Waage hielten. Jedoch wurden alle Waren (gute und weniger gute) in die Hauptstadt geschickt.

Die größte Bedeutung kommt im Text selbst jedoch dem Aufsichts- bzw. Überwachungspersonal zu, da dieses einen entscheidenen Einfluß auf Gelingen und Qualität der Waren hatte, wenn es in der Lage war, gut zu wirtschaften und gut zu organisieren. Es liegt ein genauer Bericht der namentlich erwähnten, vom Kaiserhaus geschickten, bzw. vom Jao-chou Distrikt eingesetzten, Aufsichtspersonen vor. Einige Beamte kamen auch ein- zweimal jährlich zur Inspektion.

Bemerkenswert ist, daß einige der Superintendenten der Manufakturen während der Qing Zeit berühmt wurden, und chinesische Experten die Porzellane oft nach den Amtsperioden dieser Superintendenten benennen, so das

Zu diesem Punkt gibt es im Tao Lu, Buch zwei eine Auflistung der Aufträge vom Kaiserhaus mit Benennung der zur Überwachung der Produktion eingesetzten Superintendenten und Assistenten , sowie eine Auflistung des Leitungspersonals der einzelnen Bereiche und seiner Dienerschaft.

Zum Schluß soll noch eine Liste der Handwerker und Arbeiter aufgeführt werden, die nicht direkt an der Porzellanherstellung beteiligt waren, aber doch für den Ablauf wichtige Vor-, Zu- und Nacharbeit leisteten.

Buch drei (6):

"The various establishments connected with pottery making [are]:

  • Pine-faggot men,
  • Brushwood men,
  • Saggar men,
  • Brick men,
  • White earth men,
  • Blue/green colour men,
  • Bamboo hoop men,
  • Carpenters,
  • Tub makers,
  • Iron smiths,
  • Mould adjusters,
  • Pulley men,
  • Motar men and rinsers,
  • Basket makers,
  • Ash refiners,
  • Lathe men."

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III.3.  Zusammenfassung

"In sum, without counting the minute details, a portion of clay must pass through seventy-two different processes before it is finally made into a cup."

Da all diese Listen recht übersichtlich und eindeutig sind, erübrigt sich eine Zusammenfassung dieser, zumal hier auf das Wesentliche reduziert wurde. Erwähnenswert bleibt, daß sich das Buch in erster Linie auf die Waren, die hergestellt und reproduziert wurden, auf die Aufträge der Kaiser und die Berichte einzelner Leute zu diesen Waren, konzentriert. Die Beschreibung des Handwerkes und der Ausübenden ist nicht die Leitlinie des Buches, es lag lediglich im Interesse dieser Arbeit, dies so darzustellen.

< Inhalt >

IV.  Schlußanekdote

"In the Ching-te reign (A.D. 1506-21) a eunuch was appointed to supervise the manufacture of porcelain for imperial use. That was the time when the process for making Hsüan-red was still lost, and (failing to produce it), the eunuch paid the penalty with his and his relatives lives. One of the potters killed himself by jumping into a burning kiln. Later he appeared in another persons dream (and imparted the secret of the red colour), who was able to produce the desired red. News of this event immediately became widespread and was known as transmutation or chanciness in the kiln. Subsequently the story was enlarged by miracle fanciers to include such points as the kiln producing strange objects such as deer, elephants, etc."

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- Literaturliste -

Böttger, Walter

Kultur im alten China.

Leipzig, Jena, Berlin -Urania Verlag 1987.

Chu Yen

Description of chinese pottery and porcelain being a Translation of the TAO SHUO.

Oxford - Clarendon Press 1910.

Gernet, Jacques

Die chinesische Welt.

Frankfurt/M - Insel Verlag 1979.

Goepper, Roger

Kunst und Kunsthandwerk Ostasiens.

München - Keyser.

Granet, Marcel

Die chinesische Zivilisation.

München - dtv 1980.

Mauss, Marcel

Die Gabe-Form und Funktion des Austausches in archaischen Gesellschaften.

Frankfurt/M - Suhrkamp 1990.

Sayer, R Geoffrey (Hrsg)

Ching-Te-Chen Tao Lu or the potteries of China.

London - Routledge and Kegan Paul 1951.

Song Ying-Hsing (Hrsg)

T`IEN GONG KAI WU.

University Park and London – Pennsylvania State University Press 1966.

Zimmermann, Ernst

Chinesisches Porzellan und die übrigen keramischen Erzeugnisse Chinas.

Leipzig - Klinkhardt und Biermann 1923.

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