Handwerk und Industrialisierung im Maghreb

Der Zusammenhang von Technologie, Ökologie und Arbeitsteilung in der traditionellen Frauentöpferei im Maghreb

- Inhalt -

Teil I
  1. Kurze Einführung in die Geschichte der Töpferei Afrikas
    1. Prähistorische Anfänge und die Ursprungsfrage
    2. Weitere Entwicklungsrichtungen
  2. Technologische Beschreibung der Frauentöpferei in Nordafrika
    1.  Tongewinnung
    2.  Tonaufbereitung
    3.  Verarbeitung und Werkzeuge
    4.  Trocknen und Dekorieren
    5.  Brennen
Teil II
  1. Einbettung der Technologie in das kulturelle und gesellschaftliche Leben
  2. Aspekte der Arbeitsteilung
    1. Frauen- und Männertöpferei - eine von der Technologie abhängige Einteilung?
      1. Frauentöpferei
      2. Überdauern traditioneller Technologie im Frauenhandwerk
      3. Zusammenfassung
      4. Männertöpferei
    2. Schlußbetrachtung

- Einleitung -

Diese Arbeit soll der technologischen Beschreibung der maghrebischen Frauentöpferei gewidmet sein. Jedoch ist die bloße, vom Umfeld und der Situation losgelöste Darstellung der Technologie nicht ausreichend, da die gegenwärtigen Probleme des „untergehenden Handwerkes“ eigentliches Anliegen von Untersuchungen werden sollten und die Frage nach Alternativen nicht erfolgen kann, ohne die Zusammenhänge von Technologie, natürlichem Umfeld und gesellschaftlichen Gegebenheiten genauer zu beleuchten.

Dieser Zusammenhang ist in meinen Augen eine feststehende Tatsache; denn, so festgelegt die Herstellung keramischer Erzeugnisse durch Material, Ablauf der Arbeitsgänge und Verfahren ist, so besteht doch Freiraum genug, ein Endprodukt, je nach Gebrauch, Vorliebe und gesellschaftlichen Vorgaben, zu kreieren, das in keiner Kultur, Ethnie oder Weltgegend uniform wäre. Damit befindet man sich mitten im Feld der materiellen Kultur, auf die hier nur am Rande eingegangen werden soll.

Dieser Arbeit stelle ich, wie dem Referat, drei grundsätzliche Fragen voran, die im Verlauf geklärt werden sollen.

Erstens: ist die Behauptung, daß die handgeformte, niedriggebrannte afrikanische Keramik „primitiv“ ist, berechtigt?
Diese Frage beantwortet sich in meinem Sinne in Teil I dieser Arbeit, in welchem die Technologie der marokkanischen Frauentöpferei, so klar und isoliert als möglich, beschrieben wird.

Die zweite und dritte generelle Frage beziehen sich auf Teil II der Arbeit:
Ist ein „traditionelles Handwerk“ wie das keramische, ohne die soziale, ökonomische und rituelle Einbettung in die jeweilige Gesellschaft überhaupt denkbar bzw. „überlebensfähig“?

Folgende Feststellung scheint sich auch im Falle der marokkanischen Frauentöpferei zu bewahrheiten: sobald die erwähnte Einbettung verloren geht, wird ein Handwerk zunehmend hinfälliger, bzw. verliert langsam oder sprunghaft, je nach Art des Wandels, seine traditionelle Ausprägung und Lebendigkeit. Als Konsequenz ergibt sich aus dieser These, daß mit Alternativen, wie z.B. Industrialisierung oder Produktion für den Touristenmarkt nicht die Tradition „gerettet“ wird, sondern, daß vielmehr ein Wandel vor sich geht, der neue Waren (Technologien!), gemäß neuer gesellschaftlicher, ökologischer und anderer Notwendigkeiten hervorbringt.

Allem vorangestellt ist eine kurze Einführung in die Geschichte der Afrikanischen Keramik.

Die Literatur betreffend, soll vorweg darauf hingewiesen sein, daß es eine Fülle an Literatur zur "primitiven" Kunst Afrikas und zur Keramik der "Naturvölker" gibt, die zur Bearbeitung der hier angesprochenen Themen jedoch relativ unbrauchbar ist.
Zur Keramik selbst reduziert sich das Angebot an Literatur und konkreten Forschungen erheblich. In Bezug auf Nordafrika verarbeite ich vor allem zwei "Bestandsaufnahmen" der häuslichen Keramik Marokkos von Rüdiger Vossen, der eher quantitativ vorging und daher wenig ethnologische Fakten enthält. Des weiteren verwende ich eine technologisch sehr detaillierte Beschreibung von Frau Dr. Gruner und eine Vielzahl kürzerer Texte zur sozialen Seite des Handwerkes in Nordafrika.

Zur Geschichte der Töpferei in Afrika ziehe ich Arnulf Stößel heran, der wenig auf Technologie und Daten eingeht, aber sehr ausführlich über die rituelle Bedeutung der keramischen Gegenstände in Afrika schrieb. Als Ergänzung dienten allgemeine Nachschlagewerke zur Ethnologie und Ergologie, Texte zur Materiellen Kultur, sowie diverse Lexika zur Keramtechnologie.

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- Literaturverzeichnis -

CHARLESTON, Robert J. (Hrsg.) Stilgeschichte der Keramik Leipzig, Seemann 1981

GEBAUER, Walter Kunsthandwerkliche Keramik Leipzig, Fachbuchverlag 1988

GRUNER, D. Berberkeramik am Beispiel der Orte Afir, Merkalla, Taher, Tiberguent u.a. Wiesbaden, Franz Steiner 1973

LEMONNIER, Pierre (Hrsg.) Technological choices London und New York, Routledge 1993

NEWMAN, Thelma Rita Contemporary African arts and crafts London, Allen und Unwin 1974

PAUL, Eberhard Antike Keramik Leipzig, Koehler und Amelang 1982

STÖßEL, Arnulf Afrikanische Keramik München, Hirmer 1984

VOSSEN, Rüdiger Reisen zu Marokkos Töpfern Hamburg, Christians 1990

VOSSEN, Rüdiger; EBERT, Wilhelm Marokkanische Töpferei Bonn, Habelt GmBH 1986

WATSON, William (Hrsg.) Eartenware in Asia and Africa
Colloquies on Art and Archaeology in Asia No. 12
London, University Press 1984

WEISS, Gustav Keramik Lexikon Frankfurt Main, Berlin, Ullstein 1991

ZHAO, Käthe Wissenschaft und Technik im alten China Basel, Boston, Berlin, Birkhäuser 1989

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