Die Seladonherstellung in Longquan

Geschichte und Technologie

- Inhalt -

  1. Einleitung
    1. Terminologie
    2. Literaturübersicht
  2. Geschichtlicher Abriß der Seladon-Öfen in Longquan
    1. Einleitung
      1. Geographisch-historischer Überblick
      2. Einteilung in Entwicklungsphasen
    2. Die Entstehung und Frühphase der Longquan-Öfen
      1. Zhejiang als Wiege der Seladonherstellung
      2. Die Longquan-Öfen unter dem Einfluß der Ou-, Yue- und Yaozhou-Öfen (Südliche Dynastien bis Nördliche Song-Dynastie)
      3. Der Stilwandel der Longquan-Öfen (Mitte bis Ende der Nördlichen Song-Dynastie)
      4. Zusammenfassung
    3. Die Blütezeit der Longquan-Öfen
      1. Der große Aufschwung zu Beginn der Südlichen Song-Dynastie
      2. Der Höhepunkt der Seladonherstellung - Jadegleiche Stücke der späten Südlichen Song-Dynastie
      3. Zusammenfassung
    4. Die große Zeit des Exports und der Untergang der Longquan-Öfen
      1. Der Höhepunkt des Exports während der Yuan-Dynastie
      2. Der Niedergang der Longquan-Seladone in der Ming-Dynastie
      3. Zusammenfassung
  3. Technologie der Seladonherstellung
    1. Rohstoffe zur Masseaufbereitung
      1. Einleitung
      2. Der rote Faden durch die chinesische Keramik - “The Iron story” I
      3. Citu - weißer/heller Porzellanton
      4. Shiying - Quarz und changshi - Feldspat - Wood's Verwitterungstheorie
      5. Zijintu - “purple gold clay” - eisenhaltiger Ton
      6. Zusammenhang von Scherben- und Glasurfarbe
      7. Zusammenfassung
    2. Masseaufbereitung
      1. Einleitung
      2. Rohstoffzerkleinerung
      3. Ton- bzw. Masseaufbereitungsprozeß
      4. Zusammenfassung
    3. Formgebung
      1. Einleitung
      2. Methoden der Formgebung in Longquan
      3. Drehen auf der Töpferscheibe
      4. Eindrehen und Abformen
      5. Plastiken
      6. Abdrehen
      7. Zusammenfassung
    4. Dekortechniken
      1. Einleitung
      2. Werkzeuge und Techniken
      3. Zusammenfassung
    5. Glasuranalysen, Glasurrohstoffe und ihre Aufbereitung
      1. Einleitung
      2. Der rote Faden durch die grünen Glasuren- “The Iron story” II
      3. Wandel von Kalk- zu Kalk-Alkaliglasuren in der Südlichen Song-Dynastie
      4. Aschen
      5. Schimmer, Trübung der Glasur (Opaleszenz)
      6. Krakelee
      7. Zusammenfassung
    6. Glasiertechniken (shangyou jishu)
      1. Einleitung
      2. “Glasiergeheimnisse”
      3. Techniken des Glasierens
      4. Mehrlagiges Glasieren
      5. Glasurfehler
      6. Zusammenfassung
    7. Brennen
      1. Einleitung
      2. Aufbau des Brennofens (yaozhi)
      3. Brennhilfsmittel (yaoju)
      4. Kapseln laden/setzen (zhuangxia)
      5. Ofen laden (zhuangyao)
      6. Brennen (shaocheng)
  4. Schlußwort
  5. Anhang
    1. Verzeichnis der Ortsnamen
    2. Glossar
    3. Literaturverzeichnis

- Vorwort -

“Technology is by definition a part of culture; It cannot content itself with a vision of reality that creates an arbitrary separation between material, social, religious and economic categories. Only by studying concrete operational sequences in a way that preserves these different aspects of technical facts will be possible to uncover their underlying logics and to grasp in all its subtlety just what makes them what they are. The available data nevertheless allow us to affirm that, in the case of pottery-making techniques, choices are made concerning the processes, operations, materials and tools. Some solutions are retained, others are rejected; and technical logic do not fully explain all choices. Aside from a technical function provided by their place in the process and which corresponds to material and social necesseties, technical variants have a distinctive function that derives from their place in the overall set of variants of the same fact. Because they can be opposed to other equally possible solutions, they assume the value of signs.”

(Mahias, Marie-Claude, in: Lemonnier, Pierre [Hrsg.], Technological Choices, London, New York, Routledge1993, S. 177.)

In diesem Sinne soll die vorliegende Arbeit ein Beitrag zur Erforschung der Technologien im traditionellen China sein und punktuell die Komplexität technologischer Prozesse und Genialität der chinesischen Handwerker hervorheben.
Betrachtet man die Geschichte der Seladone in China, so entdeckt man eine Fülle von Waren und Öfen, die bei genauem Hinsehen bald aufgrund bestimmter Charakteristika zu unterscheiden sind. Obgleich sie alle gleichermaßen in die lange Tradition der grün-blau glasierten hochgebrannten Keramiken Chinas eingebunden sind, fallen doch die Longquan-Seladone der Südlichen Song-Zeit besonders ins Auge, da sie in Aussehen und Erscheinung dem Jade gleichen. Dies erscheint im kulturellen Kontext Chinas und speziell im archaisierenden Umfeld der Song-Zeit nicht verwunderlich. Aus diesem Grunde lag die Vermutung nahe, daß die Töpfer der damaligen Zeit bewußt nach Möglichkeiten der Herstellung jadegleicher Seladone forschten. Die Ausrichtung dieser Arbeit war nun folgende: anhand der in der Literatur noch relativ unvollständig besprochenen technischen Prozesse, das gezielte Vorgehen der Handwerker aufzuzeigen.
Ein weiterer Grund, das Augenmerk auf die Seladonherstellung in China zu richten, ergab sich anfangs aus rein praktischem Interesse meinerseits, da ich viele Jahre lang selbst als ausgebildete Töpferin tätig war und daher aufs engste mit dem Themenbereich verbunden bin. Im Vergleich zu meinen bisherigen Arbeiten zur Töpferei in Indien und Nord-Afrika kam in diesem Falle die Motivation neben dem fachlichen Interesse auch aus tiefster Faszination und Bewunderung für die Keramiken der Song-Zeit.

Die Einleitung weist auf einige die Terminologie betreffende Probleme hin, beispielsweise die Kategorisierung chinesischer Waren nach westlichen Wertvorstellungen und die daraus resultierenden Verwirrungen oder die Übertragung chinesischer Farbbezeichnungen. Des weiteren wird die verwendete Literatur kurz vorgestellt.

Kapitel 2:  „Geschichtlicher Abriß der Seladon-Öfen in Longquan”  bietet einen geographisch-historischen Überblick über die Seladonherstellung in Longquan. Der Text basiert auf einer kapitelweisen Übertragung des Buches "Longquan quingci yanjiu" (Erforschung der Longquan-Seladone). In die Übertragung wurde kaum andere Literatur eingefügt, um die sprachlichen und inhaltlichen Eigenheiten des chinesischen Forschungsmaterials für sich sprechen zu lassen und die Fachterminologie aus dem Originalkontext heraus zu begreifen.

Im Kapitel 3:  „Technologie der Seladonherstellung”  wurde anhand des umfangreichen Forschungsmaterials zur Geschichte, chemischen Glasur- und Scherbenanalyse, Ästhetik u. a. der Versuch unternommen, den technischen Prozeß der Seladonherstellung während der Südlichen Song-Dynastie so klar wie möglich nachzuvollziehen. Dadurch soll gezeigt werden, daß die Entstehung jadegleicher Seladone in dieser Zeit nicht auf Zufällen, sondern genau gesteuerten technischen Änderungen und Entwicklungen beruhte. Diese technischen Neuerungen entstammten einer wahrhaft langen Tradition grüner Glasuren, hochgebrannter Scherben und dem Wissen um die Eigenschaften des Eisens. Das prozeßhafte dieser Entwicklung zu einem konkreten gewünschten Ergebnis soll deutlich gemacht werden. Technische Grenzen werden benannt, um zu zeigen, daß sie zwar existierten und ihren Einfluß ausübten, aber den willentlichen Prozeß bei der Auswahl technischer Varianten für die Herstellung einer dem Jade vergleichbaren Ware nicht in den Hintergrund stellten.

Im Anhang wird u. a. ein sehr umfangreiches Glossar chinesischer Fachtermini, welches in erster Linie eine Auflistung der im Text aufgetretenen Fachbegriffe ist und eine ausführliche Literaturliste chinesischer und englischsprachiger Autoren zum Thema im weiteren Sinne geboten.